Yoga-Übungen für Anfänger und Fortgeschrittene

Mit diesem Artikel wollen wir einige Begrifflichkeiten klären, die im Bereich des Yoga von Relevanz sind. Wir möchten uns Herkunft, Einordnung und Deutungen von Yoga-Übungen ansehen und schauen welche Schwerpunkte sich setzen lassen.

Was ist Yoga eigentlich?

Bei Yoga handelt es sich um eine religiöse und philosophische Lehre aus Indien. Der Begriff selbst kann gedeutet werden als Vereinigung, Integration, bedeutet dabei aber gleichermaßen ein gezieltes Kontrahieren von Körper und Geist. Ziel ist die Verschmelzung des Bewusstseins mit Gott zu spüren, seine eigene Göttlichkeit zu entdecken. Dies geschieht durch eine energetische Optimierung des Körpers als Antenne allgegenwärtigen Bewusstseins. Yoga beinhaltet dazu verschiedene geistige und körperliche Übungen wie Yama, Niyama, Asanas, Pranayama, Pratyahara, Kriyas, Meditation und Askese.

Lotusblume auf Wasser

Die Philosophie hinter Yoga

Durch die Verflechtung religiöser und philosophischer Lehren des Yoga ist es schwierig eine Trennung zwischen beidem vorzunehmen. Dies soll vorliegend auch gar nicht angestrebt werden. Denn gerade durch die Verschmelzung beider Komponenten kommt der Mehrwert zustande.

Er besteht darin ein allumfassendes Verständnis von Universum, universeller Güte und harmonischem Selbst zu spüren. Das All-Eins ist im Einzelnen vollständig vorhanden, der Zugang des einfachen Selbst dazu jedoch meist nicht voll ausgebaut.

Die indischen Philosophien

Wie so oft gibt es nicht DIE indische Philosophie. Es gibt verschiedene klassische Schulen (die Darshanas). Yoga ist zwareine konkrete dieser Schulen. Es gibt innerhalb des Yoga jedoch sehr viele verschiedene Formen, die wiederum eine eigene Philosophie und eine eigene praktische Realisierung inne haben. Diese Vielfalt ist dem Umstand geschuldet, dass es sowohl verschiedene Ziele als auch ein unterschiedliches Ansprechverhalten des Einzelnen zu diesen Zielen gibt.

So gibt es beispielsweise Praktikanten zur Öffnung des dritten Auges, während andere den Energieörper als Ganzes optimieren. Innerhalb eines jeden Ziels kann jede Person aber ganz anders auf eine Übung reagieren. Hieraus entstanden verschiedene Yoga-Richtungen und darin jeweils verschiedene konkrete Übungen. Die philosophischen Grundlagen des Yoga wurden vor allem von Patanjali im Yogasutra zusammengefasst, auch die Bhagavad Gita und die Upanishaden informieren über Yoga.

Die westliche Philosophie

So man im Westen von einer Yoga-Philosophie sprechen kann, verstehen wir darunter meist körperliche Übungen, die Asanas oder Yogasanas. Doch auch in unseren Breiten werden verschiedene Schwerpunkte gesetzt. Über diese Schwerpunkte soll es uns auf dieser Seite vorrangig gehen, obschon die indische Philosophie sehr viel mehr kennt als das folgende.

Gleichzeitig mag es durchaus sein, dass Du die eine oder andere Form einer Übung anders kennst, dir Sachen fehlen oder andere zuviel vorkommen. Das ist normal. Nimm stets nur die Information mit, die dich bereichern kann. Tue nichts mit dem Rest.

Die Schwerpunkte von Yoga-Übungen

Unter dem Dach der im Westen verbreiteten Denk- und Sichtweisen gibt es im Yoga folgende große Schwerpunkte:

  1. Geistige Konzentration
  2. Körperliche Übungen und Positionen (Asanas)
  3. Atemübungen (Pranayama)
  4. Askese
  5. Kombinationen der vorgenannten

Diese Schwerpunkte werden durch Yoga-Übungen der hierzulande verbreiteten Yoga-Formen unterschiedlich stark adressiert.

Verschiedene Yoga-Übungen

Die Yoga-Philosophie als Leitfaden für deinen spirituellen Weg

Was kannst Du von Yoga erwarten und wie kannst Du es für dich nutzen? Hier können wir drei knackige Punkte nennen:

  1. Yoga als ganzheitlicher Lebensstil (Yoga ist nicht nur der Besuch deines Yogastudios 1 x die Woche für 90 min, Yoga ist alles)
  2. Yoga als Stütze für deinen persönlichen Transformationsprozess (Yoga ist ein Basar an Übungen und Denkanstößen, an dem Du dich für deine ganz individuellen Bedürfnisse und Vorlieben nach Herzenslust bedienen darfst)
  3. Das im Yoga allgegenwärtige höchste Ziel der Gott-Verwirklichung (Wenn Du dein unsterbliches, wahres Selbst erkennen und verwirklichen möchtest, deine schlafenden Potenziale erwecken willst, wenn Du die EINHEIT (= Yoga) suchst, dann wird Yoga dir helfen)

Häufig praktizierte Yoga-Formen

Du wirst nun aber auch von vielen anderen „Richtungen“ gehört haben. Diese sind jedoch keine eigenen Äste, sondern Zweige im großen Yoga-Baum. Der Vollständigkeit halber sind sie hier trotzdem aufgeführt, gemeinsam mit dem Schwerpunkt der jeweils beinhalteten Yoga-Übungen:

  • Acro Yoga (Kombination aus Yoga und Akrobatik)
  • Anusara Yoga (Betonung auf den spirituellen Hintergründen des Yoga)
  • Anti Gravity oder Aerial Yoga (Praxis in hängenden Tüchern)
  • Ashtanga / Vinyasa Yoga / Vinyasa Flow (Konditionstraining)
  • Bikram Yoga (Yoga trifft Sauna)
  • Flow Yoga
  • Forrest Yoga (Stärkung von Rücken- und Bauchmuskeln)
  • Hatha Yoga (umfassende Yoga-Lehre, später mehr dazu)
  • Hormon Yoga (Für die Selbstheilung der Frau)
  • Integrales / Sivananda Yoga (Betonung auf geistig-meditativer Seite)
  • Iyengar Yoga (Zum Kennenlernen des Körpers und bei Einschränkungen)
  • Jivamukti Yoga (Musikalisch untermalte körperliche und spirituelle Übungen)
  • Kundalini Yoga (Betonung auf Spiritualität und Atmung)
  • Kriya Yoga (Die „Schnellstraße zu Gott“)
  • Luna Yoga (Ideal für Frauen)
  • Power Yoga / Yoga-Pilates/ Yogilates (Kondition, Beweglichkeit und Kraft)
  • TriYoga / Flow Yoga (Fokus auf fließenden Bewegungen)
  • Wellness Yoga (Betonung auf dem Gleichgewicht zwischen Anstrengung und Entspannung)
  • Yin Yoga (Trainieren des geistigen und körperlichen „Durchhaltevermögens“)
  • Yang Yoga

Welche Yoga-Form ist die richtige für mich?

Am Anfang ist es ziemlich verwirrend. Yoga für Anfänger sagt sich so einfach, nicht wahr? Es gibt selbst für Anfänger verschiedene Richtungen und Yoga-Übungen, die Sinn machen können. Es kommt auf die eigenen Vorlieben an. Es folgt ein kleiner Ratgeber.

Uns Europäer interessiert der klassische Hatha-Yoga (Ashtanga, Jivamukti, Vinyasa, Anusara) dann, wenn wir der Einheit aus Körper, Geist und Seele näher rücken möchten. Es ist eine Sammlung kraftvoller Übungen zur Beherrschung körperlicher und seelischer Kräfte: „Eine goldene Seele in einem eisernen Körper“. Diese Yoga-Form möchten wir dir für den Anfang empfehlen, um Yoga ganzheitlich kennenzulernen, bevor Du dich spezialisierst.

Oft sehen wir Yoga aber als rein sportliche Betätigung an. Das ist natürlich nicht weniger valide als jede andere Sichtweise. Wer eine Yoga-Form als Workout-Schule sucht, ist bei Power Yoga, Bikram Yoga oder Jivamukti Yoga richtig.

Es empfiehlt sich aber, hier nicht sofort voll los zu legen. Dein Körper erfährt hierbei verschiedene Belastungen, und es wäre ein großer Zufall, wenn er jede dieser Belastungen bereits gewohnt ist. Beginne langsam und nicht in der Intensität derer, die es schon eine Weile betreiben.

Viele Frauen sehen in Yoga eine Möglichkeit zur Behandlung spezifischer Probleme wie Menstruationsprobleme und/oder Hormonschwankungen. Hier können Luna Yoga und Hormon-Yoga sinnvoll sein.

Bei komplexeren Problemen im Bereich der Wirbelsäule können die Übungsfolgen des Iyengar Yogas helfen.

Schließlich gibt es Menschen, die sich hauptsächlich auf die Spiritualität im Sinne der geistigen Erfahrung des All-Eins konzentrieren möchten. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass hierzu ein entsprechend vorbereiteter Körper wichtig ist, sodass geistige Übungen allein nicht ausreichen werden, um die Kundalini-Kraft zu aktivieren, da Blockaden in bestimmten Körperregionen den Energiefluss stoppen oder zumindest behindern können. In jedem Fall lässt sich mit Kundalini Yoga gut in dieser Richtung arbeiten. Doch auch das Sivananda Yoga kann transformative Effekte hervorrufen.